Tradition

Max Jacob und sein Kasper

Max Jacob

Onkel Max – wie seine Freunde ihn liebevoll nannten – war einer der bedeutenden deutschen Puppenspieler im 20. Jahrhundert. Er liebte das Kasperspiel, denn er erkannte sehr schnell, dass er durch den Kasper in einer besonderen Art und Weise mit den Menschen sprechen konnte. So konnte er Probleme der Menschen seiner Zeit aufgreifen, sie durch den prominenten Kasper humorvoll öffentlich ansprechen und somit für alle Beteiligten eine Verbesserung herbeiführen. Dieses Wirken brachte ihm schnell große Anerkennung ein.

Jeder Kasper sucht sich seinen Spieler! Der Kasper, der sich den Onkel Max gesucht hat, der war anders als alle anderen zu dieser Zeit. Denn zu Beginn des 20. Jahrhunderts war der Jahrmarktkasper weit verbreitet. Sein Aussehen: Ein rauher Zeitgenosse, unfletig im Benehmen, eher besoffen als nüchtern anzutreffen und dem anderen Geschlecht – zumindest verbal – sehr zugetan. Er hatte Konflikte zu lösen, viele, sehr viele Konflikte – mit Amtspersonen, Räubern, Hexen und anderen Teufeln. Für die Problemlösung kannte er einfache und schlagkräftige Methoden: Hämmer, Bratpfannen und Pritschen!

Onkel Maxens Kasper stammte – wie er selbst – aus der Wandervogelbewegung. Der „Wandervogel“ war eine bürgerliche Jugendbewegung zu Beginn des 20. Jahrhunderts. In einer Phase fortschreitender Industrialisierung der Städte und angeregt durch die Ideale der Romantik versuchten sich dieser Kasper und die Jugendlichen von den engen schulischen und gesellschaftlichen Vorgaben zu lösen um in freier Natur eine eigene Lebensart zu entwickeln. So gelang es, den Kasper aus der „engen“ Problemlösungskompetenz zu lösen – ja zu befreien. Der Kasper durfte seine Probleme fortan mit Kopf und Geist durch überzeugende Ideen und Gespräche lösen – allenfalls wurde eine Pritsche nur noch im Notfall herausgeholt. Das führte zu dem Beinamen „pädagogischer Kasper“.

Und die künstlerische Befreiung? Der Jahrmarktskasper musste mit einem Bein auf der Spielleiste „hin- und herreiten“. Jacobs Kasper durfte mehr – denn er war ein freier Kasper! Er durfte sich mit beiden Beinen von der Spielleiste lösen und sich den Theaterraum hinter der Spielleiste erschließen. Tanzen, Ziehharmonika spielen und lustig sein – das konnte nun voll ausgelebt werden.

Lebens-Stationen von Max Jacob:
  • Geboren am 10. August 1888 in Bad Ems.
  • 1921 erstes kleines Puppenspiel vor einer Zuschauergruppe; daraus entstanden die Hartensteiner Puppenspiele.
  • 1928 Umsiedlung auf die Burg Hohnstein und Gründung der Hohnsteiner Puppenspiele. Die „Kasperfamilie“ u.a. mit dem Schnitzer Theo Eggink, der Kostümbildnerin Elisabeth Grünwald und den vielen Spielern und Spielerfrauen entwickelt ein umfassendes Angebot: Theaterspiele für Kinder und Erwachsene mit mehreren Bühnen, Bau von Figuren für Groß und Klein, Durchführung von Kursen und Lehrgängen für Profis und Laien. Gründung weiterer Bühnen.

(Text: Jens Welsch)

Geschichte des Theaters

Das Puppenspielhaus wurde 1939 in Hohnstein errichtet. Zuvor befand sich dieses Gebäude im Dresdner Großen Garten, wo während der sächsischen Landesausstellung „Sachsen am Werk“ ebenfalls Puppenspiel und Theatervorstellungen stattfanden. So diente es den Hohnsteinern bereits dort als Spielstätte.

Das Puppenspielhaus galt in seiner Leichtbauweise und seinen vielen aufwendigen Details als Schmuckstück für den Gartenbau bzw. das Handwerk.

Nach dem Ende der Landesschau organisierte der Puppenspieler Max Jakob den Wiederaufbau als dauerhafte Spielstätte in seiner Heimatstadt Hohnstein.

Seitdem erfolgten verschiedene Baumaßnahmen im und am Gebäude, um es den jeweiligen Anforderungen anzupassen. 1941 und 1956 wurde es zum Kino umgebaut mit Leinwand, fester Bestuhlung und durch einen Anbau mit Toiletten erweitert. Das Puppenspielhaus wurde bis 1990 erfolgreich als Kino betrieben. Danach wurde es nur noch für ein Wochenende geöffnet, an dem das traditionelle Hohnsteiner Puppenspielfest stattfindet.

Baugeschichtlich ist das „Gartenhaus“ in die klassische Moderne einzuordnen und stellt einen Bezug zur Garten- und Landschaftsarchitektur des frühen 20. Jahrhunderts her. Es wurde mit ortsüblichen Baumaterialien errichtet und stellt eine Verbindung zur Heimatarchitektur her. Als künstlerische Stilelemente sind vor allem die symmetrische Anordnung der Türen und deren Gestaltung mit Ornamenten hervorzuheben, sowie das Türmchen und die Wetterfahne auf dem Dach. Diese Holzleichtbauweise mit Holzschindeldach und Dachreiter ist heute in dieser recht aufwendigen Form nur noch selten anzutreffen.

Das Puppenspielhaus ist ein Kulturdenkmal und in der Denkmalsliste der Stadt Hohnstein wie folgt charakterisiert: „Ehemaliges Puppenspielhaus des Max Jacob im Heimatstil der 1930 Jahre, nach 1945 Kino, baugeschichtlich und ortgeschichtlich von Bedeutung“.

Anlässlich des 75. Jahres seines Bestehens in Hohnstein wurde das Puppenspielhaus zu Ehren des berühmten Puppenspielers in „Max Jacob Theater“ umbenannt.